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Die Bedeutung des modernen Zoos für den Natur- und Artenschutz - Der Zoologe Wolfgang Rades, Artenschutzexperte des Loro Parque, zu Gast im Tierpark + Fossilium Bochum

22.05.2019

„Moderne Zoos sind wichtige Kompetenzzentren für den Natur- und Artenschutz. Wenn es sie nicht schon gäbe, so müssten sie angesichts der sechsten globalen Aussterbewelle auf unserer Erde dringend erfunden werden“. – So lautete das Fazit des Artenschutzbeauftragten des Loro Parque, Wolfgang Rades in seinem Vortrag am 16. Mai 2019 im Tierpark + Fossilium Bochum.  Zuvor hatte der Diplom-Biologe das zahlreich erschienene interessierte Publikum anhand vieler Beispiele über die Bedeutung des weltweiten Engagements des auf Teneriffa gelegenen Loro Parque für den Natur- und Artenschutz informiert.


Erst Anfang des Monats veröffentlichte Weltbiodiversitätsrat (IPBES) einen aktuellen Bericht, in dem er davor warnte, dass binnen weniger Jahrzehnte rund eine Millionen Tier- und Pflanzenarten dem Klimawandel und dem maßlosen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen zum Opfer fallen könnten. Moderne, wissenschaftlich geführte und zertifizierte zoologische Gärten, zu denen auch der Loro Parque und der Tierpark + Fossilium Bochum zählen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit der Tier- und Umwelt zu vermitteln und für den Schutz von Lebensräumen und Biodiversität zu sensibilisieren. Gleichzeitig tragen sie durch koordinierte Erhaltungszuchtprogramme aktiv zur Bewahrung bedrohter Arten ex situ bei und liefern als Forschungsstätten bedeutende, wissenschaftliche Erkenntnisse. Der deutliche Zuspruch aus der Gesellschaft gibt den Zoos und ihrer Arbeit Recht. „Jedes Jahr besuchen mehr als 43 Millionen Menschen die 71 Mitgliedszoos des Verbandes der Zoologischen Gärten“, berichtet Wolfgang Rades und fährt fort: „Genauso wichtig wie die Umweltbildung unserer Besucher ist allerdings der Schulterschluss mit führenden Naturschutzorganisationen, um unsere gemeinsamen Ziele im Sinne des „One Plan Approach“, also einer Kombination des ex situ-Schutzes in den Zoos mit den Arten- und Biotopschutzprojekten in den natürlichen Lebensräumen (in situ) zu verwirklichen.“


Auch der Tierpark + Fossilium Bochum betreibt daher eine enge Netzwerkpflege: „Zu unseren Kooperationspartnern gehören unter anderem der WWF, der NABU und die Stiftung Artenschutz. Hand in Hand arbeiten wir daran, dass wir die Artenvielfalt, wie wir sie heute kennen, auch noch für zukünftige Generationen bewahren können“, erklärt Zoodirektor Ralf Slabik. Zudem macht sich der Tierpark Bochum gemeinsam mit dem Tierschutzverein Bochum, Hattingen und Umgebung sowie der Tierschutzstiftung Bochum für den Tierschutz stark.

„Moderne Zoos zeigen Tiere als Botschafter ihrer Art in komplexen Lebensraumausschnitten und ermöglichen so einmalige Mensch-Tier-Begegnungen, wodurch ein wichtiges Verständnis für unsere Mitgeschöpfe und die Natur geschaffen wird“, argumentiert Wolfgang Rades. Zudem sind die Mitarbeiter der modernen Zoologischen Gärten, von ausgebildeten und erfahrenen Zootierpflegern bis zu spezialisierten Tiermedizinern und Biologen, Experten sowohl für den Natur- und Artenschutz als auch für das Wohlbefinden der von ihnen mit großer Liebe und Respekt versorgten Tiere.


Kein Verständnis hat der Tiergartenbiologe und Ökologe deswegen für die „kleine, aber lautstarke Minderheit ideologisch verblendeter Zoo- und Delfinariengegner“. Wie Rades betont, schaden solche Tierrechts-Extremisten mit ihrer fundamentalistischen, unsachlichen Kritik nicht nur Zoologischen Gärten, sondern darüber hinaus sowohl dem Natur- und Artenschutz, als auch dem Tierschutz. Wolfgang Rades: „Es ist sehr wichtig, den wirklichen Tierschutz von Tierrechts-Extremismus zu unterscheiden. – Während bei Tierschützern das Tierwohl im Vordergrund steht, handeln fundamentalistische ‚Tierrechts‘-Aktivisten angesichts der großen menschengemachten Probleme von Tierwelt und Natur schlicht verantwortungslos! Echte Tierschützer setzen sich gemeinsam mit den modernen Zoos für das Wohl der Tiere ein!“

Wolfgang Rades selbst engagiert sich bereits seit seiner Kindheit, motiviert durch den langjährigen Frankfurter Zoodirektor und engagierten Tierschützer Professor Bernhard Grzimek, für den Natur- und Tierschutz. Sein beruflicher Werdegang führte ihn in den 90ern auch in den Bochumer Tierpark, wo er unter anderem die Revierleitung des Aquarien- und Terrarienhauses übernahm. Für den spanischen Loro Parque war Rades von 2015 bis 2018 als Zoologischer Direktor tätig. Seit 2019 engagiert er sich als Artenschutzbeauftragter für die Naturschutzarbeit des Loro Parque. In seinem Vortrag gab Wolfgang Rades praktische Einblicke in die Arbeit eines der bekanntesten europäischen Zoos, der vom Tourismusportal TripAdvisor bereits zum zweiten Mal in Folge zum „besten Zoo der Welt“ gekürt wurde.

Der Loro Parque fördert die Naturschutzarbeit seiner hauseigenen Naturschutzstiftung, der Loro Parque Fundacion, mit 10 % der Eintrittseinnahmen. Mit fast 20 Millionen Dollar unterstützte die Stiftung bislang mehr als 160 Natur- und Artenschutzprojekte weltweit, wodurch bereits neun hochgradig bedrohte Papageienarten vor der Ausrottung bewahrt werden konnten. Im Jahre 1972 als Papageienpark ("Loro" ist das spanische Wort für "Papagei") durch den deutschen Unternehmer und Tierschützer Wolfgang Kiessling gegründet, hat sich der Loro Parque zu einem innovativen Natur- und Artenschutzzentrum entwickelt, in dem neben der größten Papageien-Kollektion der Welt auch Pinguine, Haie, Meeresschildkröten, Großkatzen, Menschenaffen, Seelöwen, Delfine und Schwertwale leben.

 

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