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Wenn einem Star sein Talent zum Verhängnis wird - Der Beo ist das Zootier des Jahres 2020

08.01.2020

Es ist ihre Stimme, die den Vögeln das normale Leben schwer macht: Weil Beos sogar besser sprechen und imitieren können als so mancher Papagei, sind die Tiere besonders im asiatischen Raum vielgehandelte Objekte. Meist fristen sie ihr Dasein nach dem Fang aus den heimischen Wäldern als Haustiere alleine in kleinen Käfigen. Hinzu kommt, dass Beos in manchen Ländern als Delikatesse gelten. Somit sind die Bestände in den vergangenen Jahren deutlich eingebrochen: einige Arten stehen heute kurz vor der Ausrottung. Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, hat die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) den Beo zum „Zootier des Jahres 2020“ ernannt. „Beos verschwinden sowohl in ihrem asiatischen Lebensraum, als auch in Europäischen Zoos still und leise. Mit der Ernennung zum ‚Zootier des Jahres 2020‘ möchten wir zusammen mit der Unterstützung unserer Kampagnenpartner und der Zoogemeinschaft Lobbyarbeit und ganz konkreten Artenschutz für diesen besonderen Vogel betreiben“, sagt Dr. Sven Hammer, 1. Stellvertretender Vorsitzender der ZGAP. 

Seit Initiation der Kampagne unterstützt auch der Tierpark + Fossilium Bochum jedes Jahr die Projekte zum Schutz des „Zootier des Jahres“ als Bronzepartner. Das Zootier des Jahres 2020 hat für den Bochumer Zoo eine besonders große Bedeutung, wie Zoodirektor Ralf Slabik erklärt: „Seit dem letzten Sommer lebt ein Beo-Pärchen bei uns in Bochum. Sie waren die ersten Vorboten der „Asienwelten“, die wir in diesem Frühjahr eröffnen werden und mit denen wir die vielfältige Tierwelt eines besonderen, aber stark gefährdeten Lebensraums zeigen werden. Wir hoffen, dass unsere Beos als Botschafter ihrer Art viele unser Besucher*innen für den Schutz der stimmgewaltigen Vögel sensibilisieren und sie zum Spenden für die ‚Zootier des Jahres‘-Kampagne motivieren werden.“ Die Kampagne ‚Zootier des Jahres‘ ist ein fester Bestandteil der Bildungsarbeit in Tierpark + Fossilium Bochum. In der Eingangshalle präsentiert der Tierpark alle bisherigen Flaggschifftiere der zooübergreifenden Artenschutzaktion und informiert über die beteiligten Projektpartner sowie die begleitenden Schutzmaßnahmen.

Herausforderung Partnerwahl
Die monogam lebenden Beos sind sehr anspruchsvoll bei der Wahl eines geeigneten Partners. Daher ist es selbst für erfahrene Zoos und Züchter eine Herausforderung, die intelligenten Vögel nachzuziehen, weshalb die talentierten Stare auch in zoologischen Gärten eine Seltenheit geworden sind. Um zu ihrem Erhalt aktiv beizutragen, wird im Zuge der „Zootier des Jahres“- Kampagne im Vogelpark Marlow ein Zentrum für die Beo-Partnervermittlung, ein „Beo-Dating-Center“, aufgebaut. Im Vogelpark Marlow wird auch das Europäische Ex situ-Programm (EEP) für die Erhaltungszucht von Beos koordiniert – es ist also der ideale Ort, um bisher unverpaarten Beos die Chance zu bieten, ihre „große Liebe“ zu finden. Die so entstandenen Paare werden an teilnehmende Zoos übergeben und sollen dann als kompatible Brutpaare für Beo-Nachwuchs sorgen.

Unterstützung für zwei Schutzprojekte in Indonesien
Neben der Partnervermittlung in Deutschland wird die „Zootier des Jahres“- Kampagne 2020 auch zwei Beo-Schutzprojekte in Indonesien finanziell unterstützen. Die Voraussetzungen für einen sofortigen verbesserten Schutz in der Wildbahn sind jedoch sehr schwierig. Daher wird auf der Insel Java zunächst ein eigens für die anspruchsvollen Bedürfnisse der Beos entworfener Zuchtvolierenkomplex gebaut. Hier erhalten die stark gefährdeten Tenggara-Beos und die von der Ausrottung bedrohten Nias-Beos in menschlicher Obhut die Chance auf ein Fortbestehen ihrer Art. Das zweite Projekt befindet sich auf der Insel Nias. Das örtliche Museum, die Kirchengemeinde und die Bewohner der Insel wollen hier eine Erhaltungszuchtstation aufbauen, um die Vögel, die ein Kultursymbol ihrer Insel sind und sogar ihren Namen tragen, zu retten. Die Artenschutz-Kampagne wird das Anlegen spezieller Baumschulen fördern, um den Beos mit heimischen Baum- und Straucharten für eine spätere Auswilderung ausreichend Futterpflanzen zu sichern.

„Mit der ‚Zootier des Jahres‘- Kampagne 2020 möchten wir die beiden Artenschutzprojekte im Lebensraum der Beos ganz direkt und vor allem zeitnah finanziell unterstützen, um hoch bedrohte Beoarten vor der Ausrottung zu bewahren und ihnen eine Perspektive für ein langfristiges Überleben in der Wildbahn zu geben“, sagt Viktoria Michel, Projektkoordinatorin der „Zootier des Jahres“- Kampagne.

Zur „Zootier des Jahres“- Kampagne
Für den Titel „Zootier des Jahres“ werden bedrohte, aber bisher wenig beachtete Tierarten ausgewählt und gezielt in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt. Dafür bündeln vier im Artenschutz aktive Partner ihre Kräfte. Neben der federführenden Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) arbeiten die Einrichtungen und Mitglieder der Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG), des Verbandes der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) und der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ) eng zusammen.

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