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Nützlinge mit Imageproblem - Das Krokodil ist das Zootier des Jahres 2021

28.01.2021

Landau/Bochum — Seit mehr als 200 Millionen Jahren bevölkerten Krokodile nahezu unverändert unseren Planeten - bis der Mensch auftauchte. Nun stehen die Echsen kurz vor dem Untergang, weswegen die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) das Krokodil zum „Zootier des Jahres 2021“ gekürt hat. Bei der diesjährigen Kampagne sollen mit den gesammelten Geldern vorrangig drei Projekte unterstützt werden, die sich speziell um den Erhalt der Kuba-, Siam- und Philippinenkrokodile kümmern. „Krokodile sind keine schwimmenden Lederhandtaschen, sondern haben eine immens wichtige Aufgabe in ihren Ökosystemen. Es ist Zeit zu handeln, denn ohne akute Schutzmaßnahmen werden einige Krokodilarten bald gänzlich von unserem Planeten verschwinden“, sagt Dr. Sven Hammer, 1. stellvertretender Vorsitzender der ZGAP.

Der Tierpark + Fossilium Bochum unterstützt die internationale Artenschutzkampagne auch in diesem Jahr als Bronzepartner. Mit dem Brauen-Glattstirnkaiman hält der Tierpark selbst einen Vertreter aus der Ordnung der Krokodile. Noch gilt der Bestand der kleinen Kaimanart als stabil. Die zunehmende Zerstörung des Amazonas- und Orinokogebiets wird jedoch auch für die gepanzerten Echsen eine ernste Bedrohung. „Aufklärungsarbeit ist daher eine der wichtigsten Aufgaben, die wir hier vor Ort leisten können“, betont Zoodirektor Ralf Slabik und fährt fort: „Indem wir ein Bewusstsein für den Verlust von Biodiversität und Lebensräumen schaffen und natürlich indem wir lokale Schutzprojekte fördern, können wir gemeinsam bedrohte Arten und wertvolle Ökosysteme erhalten.“

Wir Menschen dringen noch heute immer weiter in den Lebensraum der Krokodile ein und töten sie, weil wir die Tiere als Gefahr für uns und unsere Haus- und Nutztiere ansehen. Ihr Fleisch und die Eier werden von der lokalen Bevölkerung verzehrt und die Moschusdrüsen der Krokodile werden zur Parfümherstellung genutzt. Darüber hinaus gelten die Echsen aufgrund ihres Nahrungsspektrums als Konkurrenten der Fischer. Zusätzlich dezimieren Lebensraumverlust und zunehmende Wasserverschmutzung die Krokodilbestände. An den Rand der Ausrottung brachte die Krokodile jedoch insbesondere die wachsende Nachfrage nach ihrer Haut, da in der Modeindustrie Handtaschen, Schuhe, Koffer, Gürtel und andere Waren aus exotischem Krokodilleder  gefertigt werden. Viele Krokodilarten gelten daher als gefährdet, sechs Arten werden von der Weltnaturschutzunion IUCN bereits als „von der Ausrottung bedroht“ eingestuft.

Die Rolle der Krokodile im Ökosystem

Krokodile haben, wie viele andere Beutegreifer auch, ein Imageproblem und sind oft als menschenfressende „Monster“ verschrien. Tatsächlich übernehmen Krokodile aber eine äußerst wichtige Aufgabe für ihre Umwelt: Da sie unter anderem Aas fressen, reinigen sie die Gewässer und anliegende Landflächen von Kadavern. Wenn sie jagen, haben sie es besonders auf schwache, verletzte und kranke Tiere abgesehen. Sie regulieren zudem die Bestände räuberischer Welse oder Piranhas, die sich ihrerseits von für den Menschen bedeutenden Speisefischen ernähren. Entfernt man Krokodile aus diesem Kreislauf, gerät das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen. „Die bereits jetzt erkennbaren, negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme in den Heimatländern der Krokodile machen ihren Schutz daher besonders wichtig“, begründet Viktoria Michel, Projektkoordinatorin der „Zootier des Jahres“- Kampagne, die Wahl des diesjährigen Zootieres.

Schutzprojekte

Konkret werden dieses Jahr drei Schutzprojekte mit den Kampagnengeldern unterstützt. In der Natur leben nur noch knapp 100 Philippinenkrokodile, daher wird auf den Philippinen der Bau neuer Auswilderungsanlagen für Krokodile und einer weiteren Nachzuchtstation direkt in dem Auswilderungsgebiet finanziert. Zudem soll ein Zentrum für Umweltbildung - sowohl für Einheimische, als auch für Touristen - entstehen und ein Konzept für nachhaltigen Tourismus in der Region umgesetzt werden.

In den Süßwassersümpfen Kubas haben Kubakrokodile ihr kleines Verbreitungsgebiet. Die Nachzuchtbemühungen der seltenen Krokodile verliefen bisher sehr erfolgreich, weshalb nun wieder Kubakrokodile unter kontrollierten Bedingungen ausgewildert werden. Um die Biologie der Tiere weiter zu erforschen und sie vor illegaler Wilderei zu schützen, erhalten einige der Krokodile GPS-Sender.

Auch Siamkrokodile existieren nur noch in kleinen Populationen in Kambodscha, Laos und Thailand. Derzeit wird ein weiteres Restvorkommen auf Borneo vermutet, was nun mittels Umwelt-DNA aufgedeckt werden soll. Nur so können noch rechtzeitig Schutzmaßnahmen für die bedrohten Krokodile eingeleitet werden.                                     

Zur „Zootier des Jahres“- Kampagne

Die „Zootier des Jahres“ Kampagne wurde 2016 mit dem Ziel ins Leben gerufen, sich für gefährdete Tierarten einzusetzen, deren Bedrohung bisher nicht oder kaum im Fokus der Öffentlichkeit steht. Der Erfolg des Projektes zahlt sich aus. 2020 konnten durch die Kampagnengelder viele nachhaltige Schutzmaßnahmen für gefährdete Beos erfolgreich umgesetzt werden. Um in Form von Öffentlichkeitsarbeit und konkreten Artenschutzmaßnahmen möglichst viel für die im Fokus stehende Tierart bewirken zu können, bündeln vier im Artenschutz aktive Partner ihre Kräfte. Mit der federführenden Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) arbeiten die Einrichtungen und Mitglieder der Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG), des Verbandes der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) und der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ) eng zusammen.

Weitere Informationen:

Website Zootier des Jahres

Video Kampagnenstart

ZdJ Material

 

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