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Zoos fordern: Schluss mit Gleichmacherei - Alle Tiergärten wollen endlich wieder öffnen

03.03.2021

Berlin/Bochum: Der Verband der Zoologischen Gärten fordert für die laufende Beratung der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten ein Ende der Gleichmacherei. „Ich halte es für absolut enttäuschend und unverständlich, wenn wir laut Vorlage für die heutige Runde weiterhin mit dem Einzelhandel und den Museen in einen Topf geworfen werden“, sagt Prof. Jörg Junhold, Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten. „Wie will man denn begründen, dass in unseren Freiluftanlagen, zu denen wir den Zugang streng regulieren können, angeblich dieselbe Ansteckungsgefahr wie in Geschäften oder Einkaufszentren herrscht? Das entbehrt doch jeder fachlichen Grundlage.“ Die Zoos bieten sichere Bewegungsräume für Familien unter freiem Himmel. „Einen Ausflugstourismus in geöffnete Läden und Märkte aufgrund mangelnder Alternativen kann wirklich niemand wollen.“

Nach dem gestrigen Bekanntwerden der Vorlage für die Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs wurde auch Kritik an der Ungleichbehandlung in den verschiedenen Bundesländern laut. „Jetzt sollen tatsächlich bundesweit einheitlich alle Blumenläden, Buchhandlungen und Gartenmärkte aufmachen, aber bei den Zoos soll der bestehende Flickenteppich zementiert werden?“, sagt Junhold. „Vielleicht ist es nachvollziehbar, dass diese Maßnahme auf relativ wenig Verständnis bei uns stoßen wird, denn inzwischen haben fast die Hälfte aller Bundesländer ihre Zoos wieder öffnen lassen beziehungsweise hatten sie nie geschlossen.“ Dazu zählen Berlin, Sachsen-Anhalt und das Saarland, die ihre zoologischen Einrichtungen seit dem späten Frühling 2020 kontinuierlich offengehalten hatten; in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern durften die Zoos vor wenigen Tagen öffnen beziehungsweise stehen Anfang kommender Woche vor diesem Schritt. Die Zoos sind vorbereitet und der soziale Druck in den heimischen vier Wänden ist enorm.

Ralf Slabik, Zoodirektor des Bochumer Tierparks, schließt sich den Forderungen des Verbandes an: „Die Vorlage für die Konferenz der Bundeskanzlerin und der Länder-Regierungsspitzen gibt meiner Meinung nach eine klare Einstellung zu kommenden Beschlüssen wieder. So wurde dort formuliert ‚Da das Virus keine Grenzen kennt, bleibt es wichtig, dass die Länder und der Bund bei den Öffnungsschritten gemeinsam und nach einheitlichen Maßstäben vorgehen.‘  Wir begrüßen diese Maxime und hoffen, dass die Entscheidung hinsichtlich einer bundesweit einheitlichen Öffnung der Zoos und Tierparks entsprechend ausfallen wird.“ Wie alle Zoos hat auch der Bochumer Tierpark bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 ein umfangreiches Hygienekonzept entwickelt, das sich während der sechsmonatigen Betriebsöffnung bewährt hat. „Wir haben eine große Außenfläche an der frischen Luft, Zutrittskontrollen und achten auf die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Wir sind bestens aufgestellt, um unseren Besuchern ein sicheres Tier- und Naturerlebnis zu ermöglichen“, versichert Ralf Slabik.

Bereits mehrfach hatten die organisierten Zoos des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) auf die pandemiebedingten Schwierigkeiten hingewiesen, die die bei vielen Mitgliedern nunmehr vier Monate andauernden Schließungen verursachen. „Anders als in anderen Branchen können wir unsere Zoos eben nicht ‚runterfahren‘: Die Tiere müssen weiterhin vollumfänglich durch Pfleger und Veterinäre versorgt werden, ihre Unterkünfte geheizt und gesäubert werden“, sagt der VdZ-Geschäftsführer Volker Homes. „Das heißt, dass wir bei annähernd gleichbleibenden Kosten mit keinerlei Einnahmen auskommen sollen. Und Homeoffice mit Löwe ist nun mal keine Lösung.“

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