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Erfolgreiche Nachzuchten bei bedrohten Vogelarten - Pinguine und Waldrappe im Bochumer Tierpark haben Nachwuchs

13.08.2021

Zwei Vogelarten wie sie unterschiedlicher kaum sein können: Kräftige, an Land tollpatschige Wasservögel gegen hagere, bizarre Flugkünstler hoch oben in den Bäumen. Der Humboldt-Pinguin (Spheniscus humboldti) und der Waldrapp (Geronticus eremita) im Tierpark + Fossilium Bochum haben auf den ersten Blick nicht viel Ähnlichkeit. Doch zwei Gemeinsamkeiten gibt es: Beide Arten gehören zu den am stärksten bedrohten Vogelarten der Welt und beide Vögel haben wieder einmal - für ihre Art so wichtigen - Nachwuchs bekommen. „Eine unserer Kernaufgaben als zoologische Einrichtung ist der Arterhalt. Bei derart bedrohten Vögeln freut uns dieser Zuchterfolg natürlich besonders“, erklärt Ralf Slabik, Geschäftsführer des Tierpark + Fossilium Bochum.

Der kleine Pinguinnachwuchs ist bereits Ende April geschlüpft, doch erst seit ein paar Wochen im Wasser und für die Besucher sichtbar. „Junge Pinguine haben ein graues Jugendfederkleid aus dichten Daunen. Wenn sie damit schwimmen gingen, würden sie ertrinken, da sich die Federn voll mit Wasser saugen“, erklärt Revierleiterin Inga Riebel, „doch jetzt ist der Kleine aus der Mauser und schwimmt und taucht schon wie die Großen. Auch das Punktemuster auf der Brust ist schon zu erkennen. Das ist für jeden Vogel einzigartig – wie unser Fingerabdruck.“

Die schwarz-weißen Frackträger haben in ihrer Heimat, der Pazifikküste Südamerikas, mit der industriellen Fischerei, dem Abbau von Guano (stickstoffreicher Vogelkot) und der Meeresverschmutzung zu kämpfen. Auf der Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN werden sie als gefährdet eingestuft. Der Tierpark ist Mitglied der Vereinigung „Sphenisco – Schutz des Humboldt-Pinguins e.V.“. Darüber hinaus beteiligt er sich an dem zooübergreifenden Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Nur ein paar Gehege weiter leben die ungewöhnlichen Waldrappe, die zur Familie der Ibisvögel gehören. Sie haben ein schwarzes, grün-violett-schimmerndes Gefieder und einen kahlen Kopf mit langem, rotem, gekrümmtem Schnabel. Die zwei Jungtiere sind Anfang Juni geschlüpft. Mittlerweile sind sie schon oben in den Bäumen mit ihren Eltern unterwegs. „Die Jungvögel haben noch graue Federn im Gesicht und weisen noch nicht die typischen, langen Nackenfedern auf. So sind sie noch gut von den erwachsenen Tieren zu unterscheiden“, erklärt Riebel. Waldrappe leben in Kolonien und haben ein interessantes Paarungsritual verrät die Revierleiterin: „Wenn sich ein Paar gefunden hat, werfen sie ihren Kopf mit aufgestellten Nackenfedern zurück, präsentieren  ihre individuelle Kopfzeichnung und verbeugen sich dann unter lauten Rufen voreinander.“

Auch mit den Waldrappen beteiligt sich der Tierpark am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Nachdem im Sommer 2020 der erste Zuchterfolg zu verzeichnen war, legten die Ibisvögel dieses Jahr nach. Inga Riebel ist stolz auf die vorbildlichen Elterntiere: „Bei der Aufzucht haben wir den Elternvögeln – wie auch im letzten Jahr - alle Freiheit gelassen. Die Aufzucht gelang problemlos. Nur im Notfall hätten wir eingegriffen. Das war ein Glück nicht nötig.“

Waldrappe waren ursprünglich in Europa heimisch, wurden aber als Delikatesse gejagt und bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet. Dank übergreifender Zuchtprogramme der Zoogemeinschaft konnte mittlerweile eine Reservepopulation aufgebaut werden. So konnten einige Vögel erfolgreich ausgewildert werden, welche bereits kleinere Kolonien z.B. in Süddeutschland und Österreich gebildet haben. Aktuell wird die Vogelart von der IUCN als stark gefährdet eingestuft.

Die Geschlechter des erfreulichen Bochumer Vogelnachwuchses stehen auch schon fest. Dieses wird bei Vögeln mittels einer DNA-Untersuchung festgestellt. Bei den Pinguinen ist es ein Weibchen, bei den Waldrappen zwei Männchen.

AIS-Image
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