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Neue Seehunde im Tierpark + Fossilium Bochum - Hoffnung auf Nachwuchs in den Bochumer „Nordseewelten“

08.10.2021

Große Aufregung in den Bochumer „Nordseewelten“! Zwei Seehundweibchen aus dem Zoo Duisburg vergrößern ab sofort den Harem von Seehund-Bulle „Ole“ im Tierpark + Fossilium Bochum zu einem Quintett. Am Mittwoch, 06.10.2021, kamen die beiden Meeressäuger mit den Namen „Babsy“ und „Blue“ nicht über den See-, aber über den Landweg in den Zoo am Stadtpark. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase in einem separierten Becken, konnten die Neuankömmlinge nun bereits in der großen Meerwasseranlage ihre Bahnen ziehen und sich mit ihren neuen Mitbewohnern vertraut machen. „Wir sind mit der Eingewöhnung sehr zufrieden“, resümiert Zoodirektor Ralf Slabik. „Uns war es zunächst wichtig, dass die Tiere ungestört Kontakt zu ihren neuen Pfleger:innen aufbauen und sich an die noch unbekannte Umgebung gewöhnen können. Aber auch der nächste Schritt der Zusammenführung verlief reibungslos und harmonisch. Wir werden die Gruppe in den nächsten Tagen natürlich weiterhin genau beobachten, sind jedoch zuversichtlich, dass sich die Tiere schnell akklimatisieren.“

Nachdem Seehund-Bulle „Ole“ im Dezember 2015 noch als Jungtier aus dem Neunkircher Zoo nach Bochum kam, um für frisches Blut in der Gruppe zu sorgen, ist der Tierpark zuversichtlich, in den nächsten Jahren wieder mit Nachwuchs bei den Meeressäugern rechnen zu können. „Ole musste zunächst heranwachsen und lernen sich zwischen den eingesessenen Bochumer Mädels zu behaupten. Inzwischen ist er aber geschlechtsreif und ein stattlicher Bulle. Seine bisherigen Paarungsversuche mit unseren drei Weibchen waren aber noch nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht funkt es nun zwischen ihm und einer der Duisburger Damen“, hofft Jens Stirnberg, Abteilungsleiter der Zoologie. Während „Babsy“ bereits elf Jahre alt und eine gebürtige Berlinerin ist, kam „Blue“ 2016 in Duisburg zur Welt. Im Zoo Duisburg galten die Weibchen stets als sehr umgängliche, gut gelaunte und verspielte Tiere. Das neugierige und gelehrige Wesen der Säuger wird auch im Bochumer Tierpark durch tägliches „medical training“ – also veterinärmedizinisches Training – gefördert. Die freiwilligen Übungen, bei denen die Zootierpfleger:innen die Seehunde beispielsweise an Land rufen oder sich die Flosse zeigen lassen – schaffen eine Vertrauensbasis zwischen Mensch und Tier und ermöglichen außerdem stressfreie, potenzielle tierärztliche Untersuchungen.

Die Haltung und Zucht von Seehunden hat im Bochumer Tierpark schon lange Tradition. Seit mehr als 45 Jahren gehören die Meeressäuger zu den Besucherlieblingen. Im Jahr 2006 wurde mit dem Bau der „Nordseewelten“ ein neuer Lebensraum für die heimischen Robben geschaffen. In dem 565.000 Liter fassenden Meerwasserbecken leben sie zusammen mit ihren exotischen Mitbewohnern - einer Gruppe von Humboldt-Pinguinen. Mehrere Panoramascheiben ermöglichen faszinierende Unterwasseransichten der Tiere. Eine Brücke führt über das große Becken in eine begehbare Watvogelvoliere, in der Löffler, Säbelschnäbler und andere bekannte Küstenvögel vor den Besucher:innen durch den Sand laufen. Die Nordseewelten sind auch ein zentraler Aspekt der Bildung für nachhaltige Entwicklung in Bochum. „Wir schaffen hier direkte Einblicke in das Weltnaturerbe Wattenmeer. Die naturnahe Gestaltung des Lebensraums und die Artenvielfalt erlauben eine genaue Betrachtung des Ökosystems. Im Rahmen von Lernprojekten können Schulklassen unter Anleitung selbst Erkenntnisse über ausgewählte Tierarten und über biologische und physikalische Gesetzmäßigkeiten des Lebensraums erarbeiten“, berichtet die stellvertretende Zooschulleiterin Miriam Kreimeyer.

Seehunde gehören zu den Hundsrobben und sind vor allem an der deutschen Nordseeküste zu finden. Auch außerhalb des deutschen Küstengebiets haben sie eine große Verbreitung, sodass ihr weltweiter Bestand von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „nicht gefährdet“ eingestuft wird. Dies war jedoch nicht immer so. Vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert wurde Jagd auf die Meeressäuger gemacht, um Fleisch, Tran und ihr Fell zu gewinnen. Zudem wurden sie als Konkurrenz für den industriellen Fischfang betrachtet und somit durch die Bejagung an den Rand der Ausrottung getrieben. Erst in den Siebzigerjahren wurde die Jagd schließlich in Deutschland verboten. Viele Seehunde fielen außerdem den Staupe-Epidemien in den Jahren 1998 und 2002 zum Opfer. Im Tierpark werden die Seehunde daher regelmäßig gegen Staupe geimpft. Heute gibt es an unseren Küsten Meeresschutzzonen, Auffangstationen für verwaiste Heuler sowie Zoos und andere Bildungseinrichtungen, die sich für den Schutz der Seehunde einsetzen, sodass sich die Bestände sukzessive erholen konnten. Auf Sandbänken sieht man die Meeressäuger häufig in Gruppen von mehreren Tieren, im Wasser gehen sie jedoch alleine auf Beutejagd. Die Jungtiere werden schnell selbstständig, bereits nach fünf Wochen werden sie nicht mehr gesäugt und die Mutter trennt sich von ihrem Nachwuchs.

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