Forschungsprojekte

Forschung im Tierpark+ Fossilium Bochum

Die Forschung gehört zu den Kernaufgaben eines modernen, wissenschaftlich geführten Zoos. Der Tierpark arbeitet daher mit Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstituten zusammen. Praxisnahe und interdisziplinäre Forschungsprojekte helfen uns dabei, neue Erkenntnisse über die Tiere in Zoos und ihre wilden Artgenossen zu erlangen, weitere Fortschritte in der Tierpflege, im Umweltschutz und der Bildungsarbeit zu erreichen und schließlich dem fortschreitenden Biodiversitätsverlust und der Naturentfremdung in weiten Teilen der Bevölkerung entgegen zu wirken.

"Forschungsort Zoo" - Eine Broschüre des Verbandes der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ)

Chirurgie im Zeichen der Spinne

Die gelbgoldenen Netze der Seidenspinne können einen Durchmesser von 1,5 m erreichen. Dabei beeindruckt die Spinnenseide in der Wissenschaft aber vor allem aufgrund ihrer enormen Stabilität und Elastizität sowie der antibakteriellen Wirkung. Bereits im antiken Griechenland wurden die Fäden der Seidenspinne genutzt, um Wunden zu nähen oder kariöse Zähne zu behandeln.
Im Tierpark + Fossilium Bochum sind die Seidenspinnen durch die afrikanische Art Nephila kenianensis vertreten und Teil eines universitären Forschungsprojekts.

Die Promotionsstudentin Anna Bartz von der Uniklinik RWTH-Aachen forscht an der Möglichkeit, die besonders reißfeste und dehnbare Seide der Seidenspinne in der Medizin einzusetzen. Regelmäßig besucht sie daher den Tierpark + Fossilium Bochum, um die hier lebenden Seidenspinnen zu „melken“. Zukünftig, so hofft sie, sollen mithilfe dieses natürlichen Materials Patienten mit Knochenbrüchen, Knochentumoren oder anderen orthopädischen Erkrankungen behandelt werden können. Während sich in den letzten Jahren die OP-Technik stark weiter entwickelt hat, mangelt es bisher jedoch an biologischem Knochenersatz bzw. an einem geeigneten Gerüst für diesen. Hier setzt die Doktorarbeit von Anna Bartz an. Die Fäden der Seidenspinnen werden sorgsam von einem selbstkonstruierten Wickelautomat um eine Spindel gewickelt und anschließend weiter im Labor untersucht. Hier soll letztendlich eine optimale Trägerstruktur für die Geweberekonstruktion von Knorpel/Knochen (Tissue engineering) entwickelt werden.

Als wissenschaftlich geführte zoologische Einrichtung gelten die Kooperationen mit Hochschulen und die Förderung der Wissenschaft als zentrale Bestandteile unserer Arbeit. Eine wesentliche Grundlage des Forschungsprojekts ist die fachgerechte Haltung der tierischen Protagonisten. Aufgrund der natürlichen begrenzten Lebenserwartung der Seidenspinnen, gibt es neben dem Schauterrarium auch eine komplexe rückwärtige Haltung. Hinter den Kulissen des Aquarien- und Terrarienhauses werden die Seidenspinnen gezüchtet und in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen in sogenannten Flexarien herangezogen. Zur optimalen Entwicklung der Tiere und ihrer Seide müssen verschiedene Komponenten, wie UV-Licht, eine hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 25°C und 30 °C, berücksichtigt werden. Je nach Alter der Spinnen werden sie mit unterschiedlichen Futtermitteln versorgt. Während sich die Jungtiere von Blütenpollen ernähren, erhalten die adulten Exemplare lebende Fliegen. Um diese fangen zu können, weben die Spinnen ihre Netze besonders fein.

Auch für die Bildungsarbeit des Zoos spielen die faszinierenden Spinnen und die damit verbundene Forschungskooperation eine wichtige Rolle. Als Beispiel für „Bionik“ – die Verbindung aus Biologie und Technik – lässt sich anhand der Seidenspinnen aufzeigen, welche Erfindungen der Natur sich die Wissenschaft zum Vorbild nimmt. Gleichzeitig können durch die Auseinandersetzung mit den achtbeinigen Architekten mögliche Vorurteile abgebaut werden.

Wenn Sie das Projekt finanziell unterstützen möchten, so können Sie dies mit einer Spende auf das Projektkonto: RWTH Aachen, Sparkasse Aachen, IBAN: DE27 3905 0000 0013 0040 15 BIC: AACSDE33 Verwendungszweck: IA 225060

Kontakt:
Anna Bartz
Institut für Pathologie und Helmholtz Institut für Biomedizinische Technologien - Biointerface Gruppe
Uniklinik RWTH-Aachen
Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
E-mail: abartz@ukaachen.de

ai4a - ambient information 4 all

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines vollständig barrierefreien multi-modalen Erlebnis- und Informationssystems am Beispiel des Tierpark + Fossilium Bochum.

Benutzer erhalten anhand Ihrer persönlichen Eigenschaften und abhängig vom Kontext (z.B. Location Based) genau die für sie relevanten und interessanten Informationen in geeigneter Form vermittelt. Das System lernt dabei das Nutzerverhalten, wertet es aus und gibt auf Basis der individuellen Erkenntnisse eine optimierte User Experience.

Die Bereitstellung der Informationen erfolgt über eine App verbunden mit serverbasierten Webservices durch Einsatz verschiedener Technologien und Konzepte, wie Bluetooth-Beacons, AR, VR, 360°-Videos, Audio und Gamification. Während der Gestaltung der Mensch-Technik-Interaktion wird darauf Wert gelegt, ein besonders positives, durch Spaß geprägtes, Nutzungsempfinden (Joy of Use) zu erzeugen.

Als besonderes Feature für Blinde/Sehbehinderte steht innerhalb der App eine virtuelle, taktile Umgebungskarte zur Verfügung, die den Benutzer in Kombination mit einem realen Blindenleitsystem bei der Orientierung im Tierpark wesentlich unterstützt.

Als eines von insgesamt 8.864 Projekten der Förderperiode 2014 – 2020 wurde es Ende 2021 im Rahmen des EFRE.Stars NRW-Wettbewerbs mit dem ersten Preis vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW ausgezeichnet.

Förderung

Das Projekt wurde im Rahmen des Leitmarktwettbewerb CreateMedia.NRW aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Projektpartner

Tierpark + Fossilium Bochum, Hoba Steel und netzfactor

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