Aktuelles

Umweltbildung als Teilhabe für alle – Deutscher-Wildgehege-Verband tagte in Bochum

Vom 25. bis 27. Februar war der Tierpark + Fossilium Bochum in seiner Funktion als vom Land NRW gefördertes BNE-Regionalzentrum und langjähriges Mitglied des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V. (DWV) Gastgeber für die Jahreshauptversammlung und das begleitende Seminar des DWV. In diesem Jahr standen die wirtschaftlichen Wachstumspotenziale der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im inhaltlichen Fokus. Dabei wurde deutlich, welche zentrale Rolle BNE für die Vermittlung von Nachhaltigkeitskompetenzen und zukunftsfähigem Denken spielt. Nachhaltigkeitsziele und Wirtschaftlichkeit stellen keine Gegensätze dar, sondern können selbst im Sinne einer Kosten-Nutzen-Rechnung aus ökonomischen Gesetzmäßigkeiten hergeleitet werden.

 

Der DWV ist eine nach wissenschaftlich anerkannten Grundsätzen handelnde Fachorganisation von aktuell 185 Mitgliedern, die nahezu alle namhaften privaten, kommunalen und staatlichen Wildgehege in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Gesamtfläche von rund 25.000 ha Naturflächen und 18 Millionen Jahresbesuchenden repräsentiert. Diese modernen, fachlich geführten Institutionen sind Kompetenzzentren im Tier-, Arten- und Naturschutz sowie in besonderer Weise in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Seit Gründung vor fast 60 Jahren setzt der Wildgehege-Verband auf ökologische Bildung, die 2013 in ein weltweit einzigartiges Bildungszertifikat auf Verbandsebene mündete und selbst auf europäischer Ebene zu hoher Anerkennung führte. Dazu gehört selbstverständlich ebenso kontinuierlich die stete Förderung des Tierwohls und die Unterstützung zahlreicher Artenschutzprojekte für heimische Wildtiere.

 

 

 

Eckhard Wiesenthal, Vorsitzender des DWV verdeutlichte vor diesem Hintergrund: „Die Bildungsarbeit hat - gemäß dem Leitbild des Deutschen-Wildgehege-Verbandes e.V. - unter den Aufgaben eines Tiergartens höchste Priorität und versteht sich zugleich als Legitimation für die Haltung von Tieren in Gehegen.“

 

Grußworte zur Eröffnung durch Bürgermeisterin Martina Schnell

 

Die Teilnehmenden der Jahreshauptversammlung und des Seminars wurden zum Auftakt von Bochums Bürgermeisterin Martina Schnell herzlich begrüß: „Ich freue mich außerordentlich, dass die Stadt Bochum als Veranstaltungsort der diesjährigen Jahreshauptversammlung ausgewählt wurde und sehe die große gesamtgesellschaftliche Bedeutung dieser Veranstaltung für die deutschlandweiten Bildungsnetzwerke der Tiergärten und für ihre Rolle als außerschulische Lernorte.“  Etwa 150 DWV-Mitglieder ergriffen die Gelegenheit, sich von der Leistungsfähigkeit und Gastfreundschaft der Stadt zu überzeugen. Ob im Tierpark + Fossilium Bochum, im RuhrCongress, auf dem Förderturm des Deutschen Bergbau-Museums oder in den unterschiedlichen Hotels und Gastronomiebetrieben – überall wurde das Angebot mit großer Begeisterung angenommen.

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung im Fokus

 

Die Tagung war charakterisiert durch einen intensiven fachlichen Austausch zu aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in den Bereichen Umweltbildung und BNE. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Best-Practice-Beispiele vorzustellen, Erfahrungen zu teilen und neue Impulse für ihre eigene Bildungsarbeit mitzunehmen. So entstand ein lebendiger Dialog, der die Bedeutung von Vernetzung und Zusammenarbeit für eine zukunftsfähige Bildungslandschaft eindrucksvoll unterstrich.

 

„Wir als BNE-Regionalzentrum stehen in der Verpflichtung, die BNE-Netzwerkarbeit lokal, regional und auch bundesweit stetig als wesentliche Zukunftsaufgabe weiterzuentwickeln – eine derartige bedeutende Umweltbildungsveranstaltung zur Stärkung eines bundesweiten Netzwerkes ist eine einmalige Gelegenheit“, erläuterte Ralf Slabik, Zoodirektor des Tierpark + Fossilium Bochum.

 

„Hochwertige Bildung“, das Nachhaltigkeitsziel SDG 4 der globalen Agenda 2030 der Vereinten Nationen, gilt als Schlüsselbestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und soll bis 2030 für alle Menschen chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern. „Leistungsstarke Bildungsnetzwerke, wie das der Qualifizierungsoffensive des Deutschen-Wildgehege-Verbandes, ermöglichen zukünftig die Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele und Verpflichtungen zu unser aller Zukunftssicherung“, berichtet Ralf Slabik weiter.

 

Um BNE effektiv umzusetzen, braucht es jedoch personelle, materielle und finanzielle Ressourcen. Insbesondere die heterogene Zahlungsfähigkeit der Zielgruppen, steigende Kosten und begrenzte Fördermittel führen dazu, dass Bildungsangebote für bestimmte Zielgruppen strukturell nicht kostendeckend angeboten werden können. Ein Dilemma zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung. Bildung darf kein Luxusgut sein, hohe Kosten (Personal, Instandhaltung von Lernorten, spezielle barrierefreie Materialien, Eintritte, Workshopgebühren, etc.) schließen vielfach aber genau die Gruppen aus, die oft am wenigsten Zugang zu Naturbildung haben: „Easy-to-ignore“-Gruppen.

 

Die Antwort des Tierpark + Fossilium Bochum - als zoologische Einrichtung und Naturkundemuseum mit jährlich rund 350.000 Besuchenden und über 25.000 Bildungskontakten in ein- und mehrstündigen Umweltbildungsveranstaltungen der bedeutendste außerschulische Lernort der Stadt – lautet „Robin-Hood-Finanzierung“.

 

Dabei handelt es sich um eine angebotsbasierte Quersubventionierung als strategisches Steuerungselement, das zwischen vier Kategorien – „profitabel“, „vollkostendeckend“, „teilsubventioniert“ und „vollsubventioniert“ unterscheidet. Dem Mythos von Robin Hood folgend, basiert die Finanzierungsstrategie auf einer Balance zwischen profitablem Handeln (Wirtschaftlichkeitsbereich) und sozialer Verantwortung (Wirkungsbereich).

 

Subventionierung innerhalb klar definierter Budgetgrenzen, wirtschaftliche Leitplanken und Kennzahlen und die Trennung von operativem Ergebnis und Wirkungsinvestitionen gewähren eine gezielte Finanzierung der Bildungsangebote für alle.

 

Bildunterschriften:

 

Foto©Tierpark_Bochum_1: Gruppenbild der Tagungs-Teilnehmenden

Foto©Tierpark_Bochum_2: Bürgermeisterin Martina Schnell begrüßt die Gäste

Foto©Tierpark_Bochum_3: Gruppenbild mit Bürgermeisterin Martina Schnell (v.l. Arne Vaubel, Karl Görnhardt, Eckhard Wiesenthal (alle DWV), Bürgermeisterin Martina Schnell, Zoodirektor Ralf Slabik (Tierpark + Fossilium Bochum) und Volker Walter (DWV))

Foto©Tierpark_Bochum_4: Gastgeber Ralf Slabik begrüßt die Teilnehmenden der Tagung

Foto©Tierpark_Bochum_5: Der DWV-Vorstand und die Referentinnen und Referenten

Foto©Tierpark_Bochum_6: Der DWV-Vorstand verleiht die Umweltbildungszertifikate an die beteiligten Einrichtungen und würdigt deren Einsatz

Foto©Thomas Hennig_7: Gruppenbild der Tagungs-Teilnehmenden im RuhrCongress

Foto©Tierpark_Bochum_8: Grußworte der Bundesverbände (v.l.: Bruno Hensel - Präsident der Gemeinschaft der Zooförderer e.V., Sebastian Manickam - 1. Vorsitzender des Berufsverbands der Zootierpfleger e.V., Judith Becker - Verband der deutschsprachigen Zoopädagogen, Dr. Martin Singheiser - Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V., Gert Emmrich - Präsident Deutsche Tierparkgesellschaft e.V., Max Weichenrieder - Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter e.V., Barbara Laher-Hofer - Geschäftsführung Österreichischer Wildgehege Verband)

 

Zurück zur Übersicht